Meine Mutter war die beste Fotografin
Als Kind gab es für mich nur eine gute Fotografin: meine Mutter, sie war einfach die Beste! Wo sie war, war auch ihre schwere Rolex. Auf einem meiner Lieblingsbilder stand ich vor einem Kornfeld, im Sonntagskleidchen und viel zu kurzem Pony. Unbeschwert und natürlich schaute ich mit grossen Augen in die Kamera.
Als junge Erwachsene kam mir die Eitelkeit in die Quere: ich wollte doch möglichst „gut“ aussehen, sprich ebenmässig. Dieses „eben-mässig“ wirkte jedoch ziemlich eintönig und verkrampft. Schliesslich gefiel ich mir zusehends weniger auf Fotos. Ab und zu liess ich höchstens noch einen Schnappschuss durchgehen.
Und nun, in meinen reifen Jahren mit ergrauenden Haaren sollte ich nochmals in eine Fotolinse schauen, wie damals bei Mama? Schnell siegte die Neugierde. Ich vertraute Claudia Larsen von Anfang an. Irgendwie war mir sympathisch, dass sie nur Frauen fotografiert.
In ihrem herzigen Fotohäuschen fühlte ich mich sofort wohl. Trotzdem war ich zuerst angespannt: wie muss ich den Kopf schon wieder drehen, damit Nase und Kinn optimal aussehen?! Die einfühlsame Fotografin spürt meine Befangenheit. Und wie sie es versteht, mich an einen Ort der Entspannung zu bringen...
Irgendwann vergesse ich alles und lasse mich auf das faszinierende Spiel ein. Unbeschwert flitzt die Energie zwischen uns hin und her, es ist Lebensfreude pur. Wir befinden uns in einem glücklichen Raum der konzentrierten Entspannung
Diese Fotos zeigen mich natürlich, entspannt und schön wie seit vielen Jahren nicht mehr. Claudia Larsen hatte nicht nur die Gabe, mich in diesen Zustand zu bringen sondern auch entsprechend festzuhalten. Sie ist eine ausgesprochene Ästhetin, die ihr Metier meisterlich versteht.
Zoë Nyffeler
November 2007
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